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eos guitar quartet - live

eos guitar quartet - live

eos guitar quartet

musikkollegium winterthur
leo brower conductor

Preis: 30.00        -> bestellen

Egberto Gismonti *1947 / Leo Brouwer *1939
Gismontiana

1 Frevo      5:18       
2 Água e Vinho   6:41
3 Baião Malandro  5:23
4 A Fala da Paixão 7:20
5 Cadenza   4:09
6 Loro  5:37
       
Ralph Towner *1940
(dedicated to Eos Guitar Quartet, world premiere recording)
Confluence
7 Waltz     7:30
8 Slow 5:18
9 Allegro  7:32

 

Die Aufnahme der «Gismontiana» ist ein Live-Mitschnitt des Konzertes des Eos Guitar Quartet zusammen mit dem Musikkollegium Winterthur unter der Leitung des Komponisten Leo Brouwer am 27. März 2014 im Konzertsaal des Stadthaus Winterthur im Rahmen des inguitar festival und stammt von Radio SRF 2 Kultur.

 

Es braucht nicht besonders viel Phantasie, um hinter dem Programm dieser CD eine Offensive der Schweizer Diplomatie zu vermuten. Ein Schweizer Gitarrenquartett spielt Werke eines Kubaners und eines Amerikaners. Kuba und Amerika standen sich ja über Jahrzehnte nicht besonders freundschaftlich gegenüber, bis Barack Obama 2016 eine neue Ära der kubanisch-amerikanischen Beziehungen einläutete. Als neutrales Land hat die Schweiz in solchen Situationen auch für die Vereinigten Staaten von Amerika oft Vermittlerarbeit geleistet.
Aber um Diplomatie geht es hier mitnichten. Das Eos Guitar Quartet hat immer wieder Werke von Leo Brouwer und Ralph Towner gespielt, und auch beiden Künstlern Kompositionsaufträge erteilt. Man kennt und schätzt sich gegenseitig. Und als hochspezialisierte Kammermusikformation versucht das Eos Guitar Quartet natürlich auch ganz selbstverständlich etwas zur Erweiterung des Repertoires für eine solche Besetzung beizutragen.
Wenn es in diesem Zusammenhang eine Parallele zwischen Politik oder Diplomatie und Musik gibt, dann ist es das Bemühen, Abläufe und Verläufe von Ereignissen zu synchronisieren. Synchronisation ist gewiss das Zauberwort, wenn es um das Zusammenwirken von vier Gitarristen geht. Rhythmisch, dynamisch und agogisch müssen die einzelnen Stimmen synchronisiert werden, um die Wirkung, die der Komponist intendiert hat, überhaupt erst erzielen zu können.
Leo Brouwers (*1939) „Gismontiana“ ist Musik, die mehrere Filterprozesse durchlaufen hat. Der brasilianische Gitarrist und Pianist Egberto Gismonti (*1947) hat sich bei seinen Eigenkompositionen von traditioneller brasilianischer Musik inspirieren lassen; diese wiederum ist geprägt von der Praxis von Gitarristen – Gismonti hat sie dann aber für Klavier komponiert. Leo Brouwer wiederum hat aus diesen Pianostücken wieder Gitarrenmusik gemacht und dazu noch ein Orchester gesetzt. Diese verschiedenen Schichten, die sich überlagern, sind ein Teil der technischen und künstlerischen Herausforderung für das Eos Guitar Quartet.
Auch Ralph Towner (*1940) ist selbst Gitarrist und Pianist, schreibt seine Musik aber primär nicht aus einer gitarristischen Perspektive heraus. Und trotzdem: Die spezifische Klangsprache, die er auf diesem Instrument entwickelt hat, lässt sich aus seiner Musik ganz und gar nicht wegdenken. Als Gitarrist, der Towners Musik spielt, wird man oft im Kopf hören wie Towner selbst diese oder jene Passage spielen würde.
Das Setting, auf das sich das Eos Guitar Quartet hier eingelassen hat, bietet den  Musikern also ein höchst interessantes Feld für Interpretationsspielräume in verschiedenen und dann doch wieder verwandten Musiktraditionen von Brasilien bis Kuba und von Klassik bis Jazz. Davon wird man auch als Hörer ganz und gar nicht unberührt bleiben. Diplomatisches Geschick oder Know-how braucht es dafür aber keines.
Peter Bürli